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OptiMedium April 2017

Geburtshilfe in strukturschwachen Regionen: OptiMedis-Gutachten veröffentlicht

Die Lage der Geburtshilfe in Schleswig-Holstein, insbesondere auf den Inseln und Halligen in den Kreisen Nordfriesland und Ostholstein, ist bundesweit diskutiert worden. Dass Frauen zur Geburt mittlerweile von allen Inseln auf das Festland fahren müssen, wurde vorwiegend unter Risikogesichtspunkten gesehen, Qualitätsgesichtspunkte spielten eine untergeordnete Rolle. Vor diesem Hintergrund hat die OptiMedis AG im Auftrag des schleswig-holsteinischen Sozialministeriums einen Maßnahmenkatalog zur „Verbesserung der Situation der Geburtshilfe in Schleswig-Holstein“ entwickelt. Ziele sind, die Zahl der natürlichen Geburten zu erhöhen, Risikogeburten und problematische Ereignisse zu verringern und die Versorgung für die schwangeren Frauen insgesamt zu verbessern. Als Ursache-Wirkungsmodell zu problematischen Outcomes in der geburtshilflichen Versorgung bewährte sich dabei ein sog. Ishikawa Diagramm aus der Qualitätsmanagementdiskussion.

FischmodellUrsache-Wirkungsmodell zu problematischen Outcomes in der geburtshilflichen Versorgung © OptIMedis AG 2016

Abgestimmt auf die identifizierten Problemursachen wurde ein Bündel von Maßnahmen entwickelt, das an den entsprechenden Stellen in der Versorgungskette ansetzt und so eine deutliche Optimierung der Gesamtversorgung verspricht. Entscheidend ist dabei die koordinierte und institutionalisierte Zusammenarbeit von Hebammen, Frauenärzten, Rettungsdiensten, Krankenhäusern sowie den Kreisen und ihren Frühen Hilfen. Hierzu schlägt die OptiMedis AG u.a. eine „Vernetzungsagentur Geburtshilfe“ vor, die dem Gemeinsamen Landesgremium nach §90a SGB V fachlich zugeordnet werden könnte. Sie soll die Versorgung vor Ort steuern, Kommunikations- und Austauschprozesse zwischen den Akteuren etablieren und durch einen Beirat begleitet werden.

Partnerschaftsmodell Mutter-Hebamme-Arzt

Die Kommunikation zwischen Hebammen und Gynäkologen soll nach Vorstellung der OptiMedis AG konkret durch eine formalisierte Vereinbarung zur gegenseitigen, strukturieren Information im gesamten Verlauf der Schwangerschaft verbessert werden. Zusätzlich sollte eine gemeinsame Patientenakte und ein elektronischer Mutterpass eingeführt werden. Auch die Anbindung an geburtshilfliche Abteilungen sollte intensiviert werden. So könnte z.B. mit Hilfe telemedizinischer Lösungen verhindert werden, dass Schwangere bei Problemen, die abgeklärt werden müssen, jedes Mal in weit entfernte Kliniken fahren müssen.

Die Hebammen sollten aus Sicht der OptiMedis AG die Rolle von Case Managern für die Schwangeren übernehmen: Sie arbeiten dabei eng zusammen mit Gynäkologen, werden früh integriert, aktiv informiert, entscheiden in Abstimmung mit den anderen Akteuren über die Versorgung in kritischen Situationen und begleiten die Frauen ggf. zur Geburt. Zudem empfiehlt die OptiMedis AG die Rufbereitschaftsoptionen der Hebammen auszuweiten und die Finanzierung hierfür zu klären.

Sektorübergreifender Finanzierungsfonds Geburtshilfe

Für die geplanten Maßnahmen schlägt die OptiMedis AG einen sektorübergreifenden Finanzierungsfonds Geburtshilfe vor. Er soll ausschließlich für die zusätzlich sicherzustellenden Aufgaben, d.h. nur jenseits der in den Sektoren geregelten Zuständigkeiten, eine stabile und nachhaltige Finanzierung organisieren. Ziel ist, dass der Fonds sich nach einigen Jahren aus privaten Spenden, sozialem Investment sowie dem Return aus dem geschaffenen Nutzen zugunsten der Krankenkassen weitgehend selbst finanziert. Die nötige Finanzierung durch Landkreise und Land sollte im Vergleich zum Beginn der Umsetzung dementsprechend deutlich geringer sein.

Die Grundlagen für die Maßnahmen bildeten Befragungen der Experten, wie Frauenärzte, Hebammen oder Geburtskliniken, vor Ort sowie Interviews mit weiteren Experten. Im zweiten Schritt wurden die Versorgungsdaten z. B. zur Geburtenentwicklung, zu Rettungseinsätzen oder zur Versorgung durch Hebammen qualitativ und quantitativ analysiert. Die Maßnahmen diskutierte die OptiMedis AG mit Runden Tischen in der Region.

Die Studie, die auch für andere Regionen in der Situation der Schließung von geburtshilflichen Stationen mit zu geringen Geburtenzahlen interessant sein dürfte, wurde von Dr. Eva Català y Lehnen (Dipl. Gesundheitsökonomin, Dipl. Betriebswirtin), Dr. h. c. Helmut Hildebrandt (Gesundheitswissenschaftler) und Ulf Werner (Dipl. Sozialwissenschaftler) verantwortet. Die Erarbeitung erfolgte mit Unterstützung durch Dagny Misera (Dipl. Betriebswirtin), Olga Brüwer (MSc Healthcare Policy, Innovation and Management) und Avila Wambach (Juristin) sowie Prof. Dr. Dr. h.c. Frank Louwen (Professor für Geburtshilfe und Perinatologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pränatal- und Geburtsmedizin).

Sie wurde erstellt für das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung, Schleswig-Holstein (Vergabenummer ZB-80-15 0733000-4122.1)

Das Gutachten finden Sie hier zum Download.