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Gesundes Kinzigtal: geringere Sterblichkeitsrate bei IV-Mitgliedern

Erstmals Ergebnis-Endpunkte in der Integrierten Versorgung gemessen

In Deutschland wurden erstmals in einem Integrierten Vollversorgungsprojekt (IV) Ergebnis-Endpunkte wie die Sterblichkeitsrate (Mortalität) gemessen. Dies geschah im Rahmen einer Kohortenstudie, bei der 4.596 Mitglieder und Nicht-Mitglieder der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal (IVGK) hinsichtlich ihrer Risiko- und Strukturmerkmale mittels Propensity Score-Matching vergleichbar gemacht wurden. Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Der Sterbezeitpunkt der Mitglieder wird im Schnitt um 1,4 Jahre verzögert.1 Ihre Sterblichkeitsrate innerhalb des aktuell möglichen Beobachtungszeitraums von zehn Quartalen ist geringer als die der Vergleichsgruppe: Es verstarben 81 Mitglieder (1,76%), aber 172 Nicht-Mitglieder (3,74%). Dieser Unterschied ist statistisch signifikant und bleibt es selbst dann, wenn mögliche Verzerrungen wie das Kurzzeitsterberisiko eliminiert werden. Mögliche Erklärungen hierfür sind, dass im Gesunden Kinzigtal Ärzte bzw. Therapeuten und Patienten enger zusammenarbeiten und sich das Gesundheitsbewusstsein der Patienten verändert.

IndikatorenDies ist ein Ergebnis der soeben veröffentlichten Studie „Drei Dimensionen im internen Vergleich“, in deren Rahmen die drei Zieldimensionen der IVGK (Ergebnisqualität, Effizienz und Mitgliedertreue) anhand aussagekräftiger Indikatoren gemessen wurden. Die dafür gebildeten Indikatoren (Sterblichkeitsrate, Relative Kosten und Kassenwechsler) sind in den analysierten GKV-Routinedaten der je 4.596 Versicherten der Untersuchungs- und Vergleichsgruppe verfügbar und bilden die Ziele der IVGK bestmöglich ab (siehe Abbildung).

Geringere Sterblichkeitsquote geht mit geringeren Kosten einher

GesundheitsnutzenNicht nur die Ergebnisqualität, sondern auch die Effizienz der Versorgung verbessert sich im Kinzigtal. Dies zeigt sich in der Entwicklung der relativen Gesamtkosten, die auf die deutschlandweiten Durchschnittskosten (Morbi-RSA) referenzieren. Diese entwickeln sich für Kinzigtal-Mitglieder deutlich positiver: Die Differenz zu den Nicht-Mitgliedern beträgt bereits nach zwei Jahren 151 Euro pro Kopf. Die Kasse profitiert somit nicht nur von der verbesserten Versorgung ihrer Versicherten, sondern die Integrierte Versorgung rechnet sich auch aus wirtschaftlicher Sicht.

Ein IV-Vertrag kann für Krankenkassen ebenfalls ein Instrument zur Kundenbindung sein: Um die Mitgliedertreue den Versicherten zu messen, wurde die Rate der Kassenwechsler herangezogen. Hierzu wurden die Daten der Versicherten, die zwischen 2006 und 2009 ihre Mitgliedschaft bei einer der Partner-Krankenkassen oder ihren Wohnsitz im Kinzigtal aufgaben, analysiert. Die Mitglieder von Gesundes Kinzigtal wechselten ihre Kasse noch seltener, als es die ohnehin schon geringe Wechselrate vermuten ließ: Von den eingeschriebenen Versicherten konnten 55% mehr in der Kasse gehalten werden als in der Vergleichsgruppe.2

Studie erweitert Evaluationsmodule im Kinzigtal

Seit Beginn der Integrierten Versorgung im Jahr 2006 lässt die Managementgesellschaft die Ergebnisse und Prozesse im Kinzigtal hinsichtlich verschiedener Dimensionen extern und intern evaluieren. Für die externe Evaluation wurde eigens eine Koordinierungsstelle an der Abteilung für Medizinische Soziologie an der Universität Freiburg gegründet.

Die externe Evaluation fokussiert vor allem auf Prozessindikatoren, nicht aber auf Zielindikatoren oder Ergebnis-Endpunkte. Dies war ein Grund, die Effekte der Integrierten Versorgung zwischen den eingeschriebenen und nicht eingeschriebenen Versicherten relativ zum jeweiligen Einschreibezeitpunkt zu vergleichen. Die Studie belegt, dass im Kinzigtal besonders zu Beginn der Intervention eine „negative“ Risikoselektion bei der Einschreibung der Mitglieder vorlag, d.h., es wurden im Vergleich mit der Gesamtpopulation zunächst vor allem ältere und multimorbide Versicherte eingeschrieben. Mittlerweile haben die meisten Arztpraxen, die an der Intervention Gesundes Kinzigtal teilnehmen, nahezu alle potenziell möglichen Patienten eingeschrieben. Dadurch relativiert sich der Effekt eines möglichen healthy user bias, also einer Verzerrung durch eine (Selbst-) Selektion nur gesünderer oder gesundheitsbewussterer Versicherter. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass in den kooperierenden Arztpraxen generell eine gesündere Klientel behandelt wird.

Mit dieser internen Auswertung wird die Evaluation der IVGK um eine bislang noch nicht analysierte Ergebnisperspektive erweitert. Im Übrigen ist der Vergleich zwischen den eingeschriebenen und nicht eingeschriebenen Versicherten eine gängige Methode der Erfolgsmessung in IV-Projekten oder Praxisnetzen. So wird zusätzlich eine bessere Vergleichbarkeit mit anderen IV-Projekten ermöglicht. Zukünftige Detailauswertungen sollen Hinweise liefern, wodurch sich die Effekte der Studie erklären lassen. Dazu sollen beispielsweise detailliertere Kostenanalysen nach Sektoren durchgeführt und die Mortalitätsrate nach Subgruppen differenziert untersucht werden.

Die Studie „Drei Dimensionen im internen Vergleich“ können Sie hier herunterladen.

 

1 Dies entspricht einem Jahr und rund 146 Tagen.
2 IV= 129 Versicherte vs. Nicht-IV= 200 Versicherte von jeweils 4.596 Versicherten pro Gruppe