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OptiMedium Juli 2012

Nach dem Nein der Schweizer: Wie geht’s weiter mit der Integrierten Versorgung?

In der Schweiz stimmte die Bevölkerung am 17. Juni über die sogenannte Managed Care-Vorlage ab. Diese wollte durch Koordination der Leistungserbringer die medizinische Versorgung weiter verbessern und die Kosten bremsen. Wieso votierten dennoch 76% der Eidgenossen dagegen? Der Hauptgrund für die Ablehnung dürfte wohl die eingeschränkte Wahl der Leistungserbringer sein. Wer diese Einschränkung nicht in Kauf nehmen wollte, hätte einen höheren Selbstbehalt zahlen müssen als bisher: maximal 1.000 statt zuvor 700 Franken pro Jahr. Während der Selbstbehalt der Versicherten in einem Integrierten Versorgungsnetz maximal bei 500 Franken jährlich gelegen hätte. Die Neue Zürcher Zeitung wertet das Nein der Schweizer allerdings nicht als grundsätzliche Ablehnung der Integrierten Versorgung, da viele Schweizer sich bereits in Ärztenetzen integriert versorgen lassen. Vielmehr hätten die von den Gegnern ins Feld geführten Argumente der Abschaffung der freien Arztwahl, Zweiklassenmedizin und Belastung des Arzt-Patienten-Verhältnisses durch die Budgetmitverantwortung der Ärztenetze für die hohe Ablehnungsrate beim Referendum gesorgt.

SchweizDie wenige Tage später stattfindende Jahrestagung des Forum Managed Care (FMC) stand unter dem Eindruck des Referendums. Bei dieser konnte der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset dem Nein aber auch schon etwas Positives abgewinnen. Ohne gesetzliche Vorlage könnten sich die Ärztenetze freier entwickeln, so Berset in einer Pressemitteilung. Zudem ermunterte er die Teilnehmer, das Gesundheitswesen weiter zu gestalten, denn nun „haben sie freie Hand, neue Modelle zu entwickeln“.

Helmut Hildebrandt und Mitarbeiter von Gesundes Kinzingtal waren auf der FMC-Tagung als Referenten geladen. Hildebrandt nahm in seinem Vortrag Bezug auf die gescheiterte Managed Care-Vorlage. Er verwies auf den Anreiz für Integrierte Versorgungssysteme zum Qualitätswettwerb durch den Fortbestand der freien Arztwahl. Diese bestehe im Kinzigtal weiter fort, betonte Hildebrandt. Das bedeute, die Ärzte müssten sich stetig um die höchste Versorgungqualität für die Patienten bemühen. Ferner ging er auf die Ablehnung der US-Amerikaner gegenüber den Restriktionen der amerikanischen Managed Care-Modelle ein sowie auf die neuen und weniger restriktiven Lösungen in Form der Accountable Care Organizations (ACO), die in der Präsidentschaft von Obama entstanden sind. Integrierte Versorgungsmodelle, die von der Bevölkerung nachhaltig angenommen werden sollen, müssten sich durch die bestmögliche Erreichung des „Triple Aim“ auszeichnen:

  • Bessere Versorgung, die auch von den Patienten als solche tatsächlich erfahren wird.
  • Messbar höherer Gesundheitsnutzen und ein sich über die Jahre verbessernder Gesundheitsstatus der versorgten Population gegenüber dem Durchschnitt.
  • Verantwortlicherer Umgang mit den Kosten, d. h. Verantwortung für die Allgemeinheit.

Siehe hierzu auch das Interview mit dem international angesehenen Promotor der „Triple Aim-Konzepts“, Prof. Donald M. Berwick, in Gesundheit & Gesellschaft Nr. 6/2012.

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