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OptiMedium Mai 2013

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

rechtzeitig vor dem Bundestagswahlkampf hat nach der Gesundheitspolitischen Kommission der Heinrich-Böll-Stiftung vorige Woche auch die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung ihre Reformvorschläge für die Optimierung der Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen vorgelegt. Sie sieht unter anderem vor, integrierte Versorgungsformen zu fördern und Selektivverträge künftig gleichberechtigt neben Kollektivverträgen zu etablieren. Während die Selektivverträge in ihrer Gestaltung frei bleiben sollen, schlagen die Autoren für die kollektive vertragsärztliche Vergütung eine umfassende neue, die GOÄ und den EBM ablösende komplex zusammengestellte und von einem eigenen Institut überwachte einheitliche Gebührenordnung vor. Unabhängige Sachverständige sollen Kollektiv- wie Selektivverträge auf ihre Wirkungen hin evaluieren.

Die Vorschläge der Heinrich-Böll- wie der Friedrich-Ebert-Experten haben auf den ersten Blick viele Gemeinsamkeiten, auf den zweiten Blick zeigen sich aber auch einige unterschiedliche Akzente. Beide sprechen von den Fehlanreizen der heutigen Systemorganisation, die Ebert-Kommission sieht diese aber v.a. auf der Seite der Leistungserbringer und ihrer Vergütung, während in dem Böll-Bericht sehr intensiv auch Anreizveränderungen für die Krankenkassen diskutiert werden. Bei der Vergütung setzen die Ebert-Autoren große Hoffnungen auf P4P-Modelle. Die Experten der Böll-Kommission sind unter dem Eindruck der Hinweise des Vorsitzenden des Sachverständigenrats bzgl. der zu geringen Aussagekraft der Fallzahlen einer Arztpraxis und der kritischen Bewertungen im BQS-Gutachten hier eher zurückhaltend. Beide sprechen von populationsbezogener Versorgung und der notwendigen Einbeziehung der Patienten, die Ebert-Seite betont in der Folge dann aber eher den Aufbau von regionalen Versorgungszentren, z.B. in Verknüpfung mit bestehenden Krankenhäusern, während die Böll-Seite sich intensiver um die Organisation und das Management von primär ambulanten Gesundheitsnetzen und Unternehmen kümmert sowie die Anreize beschreibt, die notwendig sind, damit sich derartige regionale Netze auf die Optimierung des Gesundheitsstatus und die zielgerichtete Prävention ausrichten. Die bottom-up-Tradition von Bündnis90/Die Grünen könnte auch bei der intensiven Auseinandersetzung um die Erweiterung der Patienten- und Verbraucherrechte, u.a. bzgl. verpflichtender Urwahlen, bei der Ergebnisqualitätstransparenz von Krankenkassen wie Leistungserbringern und im G-BA eine Rolle gespielt haben – Punkte, die auf der sozialdemokratischen Ebert-Seite nicht oder nur am Rande erörtert werden. Es scheint so, als ob die Experten der Friedrich-Ebert-Stiftung sich doch eher weiterhin den klassischen top-down-Lösungsansätzen verhaftet fühlen und sich von diesen eine schnellere und erfolgreichere Wirkung versprechen.

Dass allerdings auch eine bottom-up Strategie über einige Jahre zu einer relativ flächendeckenden Integrierten Versorgung führen kann, scheint die Schweiz zu beweisen: Trotz der klaren Ablehnung der top-down konzipierten Managed-Care-Vorlage legt die Integrierte Versorgung weiter kräftig zu. 2013 lassen sich rund 1,7 Millionen Versicherte (oder 21 Prozent) in einem der 75 Ärzte- und Praxisnetze betreuen. Das sind 25 Prozent mehr als 2012 und fast doppelt so viele wie 2010. Dies ergab eine Erhebung des Forum Managed Care (fmc). Mehr dazu in fmc Impulse. Bemerkenswert sei, berichtet fmc-Präsident Peter Berchtold, dass sich die Integrierte Versorgung sowohl in ländlichen wie urbanen und großstädtischen Regionen ausbreite.

Es wird interessant sein, in den nächsten Monaten die Reaktionen der anderen Parteien und die Positionierungen der Verbände und Institutionen in Deutschland zu analysieren. Bundestagswahlen sind bisher nur selten über die Gesundheitspolitik entschieden worden, diesmal könnte das Thema Gesundheit allerdings etwas bedeutsamer sein. Wir werden sehen, welche Aufgabe und Kompromissbildungen die Wähler den Parteien zumuten werden.

Für unsere heutige Ausgabe haben wir noch weitere spannende Themen gefunden – lesen Sie z.B., wie sich die Förderung von Praxisnetzen in den einzelnen Regionen entwickelt und warum engagierte und aktivierte Patienten weniger Gesamtkosten verursachen.

 

Eine spannende und kurzweilige Lektüre wünscht

 

Helmut Hildebrandt

Helmut Hildebrandt

 

 

Helmut Hildebrandt

 

 

Inhalt

Editorial
Aus den Regionen
Harninkontinenz: Gesundes Kinzigtal startet Präventions- und Aufklärungskampagne
„Starke Muskeln – Feste Knochen“ erfolgreich: Frakturrate halbiert
2. Bochumer Gesundheitsmesse: neuer Besucherrekord
Gesundes Kinzigtal: Neue Website und Video online
Aus Politik und Verbänden
Positionspapier der Friedrich-Ebert-Stiftung will Kollektiv- und Selektivverträge gleichrangig nebeneinander
Förderung Praxisnetze: Rahmenvorgabe in Kraft getreten
Integrated Care: Internationales Publikum trifft sich in Berlin
Aus der Wissenschaft
Studie: Engagierte Patienten sind gesünder
InGe sucht Gesundheitsmodelle
OptiMal infomiert
Neues von OptiMedis
Neue Arztnetzsoftware CGM NET vorgestellt
Spannende Diskussionen: Netzsymposium, Get together und KBV-Messe
Neuer Health Data Analyst bei der OptiMedis AG
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