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OptiMedium Juni 2019

Aus Politik und Verbänden

„Unsere Vision: Nachhaltige Patientenorientierung in den Köpfen der Ärzte von morgen verankern“

Gastbeitrag von Prof. Dr. Jana Jünger, MME, Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP)

JüngerSetzt sich für eine stärkere Vernetzung der Berufsgruppen ein: Prof. Dr. Jana Jünger. Foto: IMPPProfessorin Dr. Jana Jünger, MME, Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP), stellt in einem Gastbeitrag für OptiMedis eine innovative Versorgungsform vor, die dazu beitragen kann, eine stärkere Patientenorientierung nachhaltig umzusetzen. Unter dem Namen IMAGINE – Interprofessionelle Sektorenübergreifende Medizinische Versorgung Ausbilden und Gesundheitskompetenz Im Netzwerk Fördern und Evaluieren – hat das IMPP zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern, unter anderem OptiMedis, ein zukunftsgerichtetes Projekt entwickelt: Basierend auf einem Netzwerk aus interprofessionellen Ausbildungsstationen in Kliniken und ambulanten Arztpraxen sollen Studierende im Praktischen Jahr und Auszubildende der Heil- und Gesundheitsberufe im letzten Ausbildungsjahr gemeinsam PatientInnen versorgen. Dazu gehört auch, ein standortübergreifendes Fehlermeldeportal für Studierende und Auszubildende der Gesundheitsberufe zu etablieren.

Das Wohl der Patienten ist nicht nur für Ärzte oberstes Anliegen[1]. Das erfordert zum einen, das Handeln an den individuellen Bedürfnissen der Patienten und deren Angehörigen auszurichten. Zum anderen sind eine berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit und stärkere Verzahnung des ambulanten mit dem stationären Sektor grundlegend. Die eine Profession muss wissen, was die andere tut. Es ist wichtig, dass wir die Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und Sichtweisen der anderen medizinischen Berufsgruppen kennen und sowohl effektiv als auch wertschätzend mit ihnen kommunizieren. Um gut miteinander für die Patienten arbeiten zu können, ist es grundlegend, dass wir wissen, was wir den anderen anvertrauen können.

Voraussetzungen sind die Implementierung einer entsprechend kommunikativen Infrastruktur und ein frühzeitiges Training derjenigen, die an der Versorgung beteiligt sein werden. Bereits in Studium und Ausbildung könnten die Brücken zwischen den verschiedenen Gesundheitsfachberufen ausgebaut werden.

Ein System unterstützt die Bewusstseins-Entwicklung für Gefahrenmomente in der Versorgung

Unter Beteiligung vieler engagierter Akteure wird derzeit ein Konzept für eine Versorgungsform entwickelt, die auf einem Netzwerk aus interprofessionellen Ausbildungsstationen in Kliniken (IPSTA) und ambulanten Arztpraxen (IPPRA) basieren soll. Kerngedanke des Konzepts mit dem Namen IMAGINE ist, dass Studierende im Praktischen Jahr und Auszubildende der Pflege- und Gesundheitsberufe im letzten Ausbildungsjahr die Zusammenarbeit und Kommunikation miteinander trainieren. Angehende Ärzte, Pflegende und Physiotherapeuten versorgen gemeinsam mit angehenden Apothekern und Pharmazeuten „echte“ PatientInnen. Dabei werden sie durch Praxisanleiter unterstützt. Das Konzept sieht zudem eine partizipative Entwicklung von Standard Operating Procedures (SOP) und auch die Vorgabe von Qualitätsindikatoren vor, um der Patientensicherheit gerecht zu werden.

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Implementierung einer Fehlermeldeplattform für Studierende und Auszubildende, über die sie Hinweise auf Beinahefehler geben können. Das System unterstützt dabei, ein Bewusstsein für die Gefahrenmomente in der Versorgung von Patienten entwickeln zu können. Sogenannte „Critical Incident Reporting Systems“ (CIRS) sind wertvolle Instrumente, um die Patientensicherheit zu verbessern. Doch die bisherigen Lösungen richten sich an Mitarbeiter von Krankenhäusern. Für Studierende der Medizin, die in der Regel nur während ihrer Praktika in den medizinischen Betrieb eintauchen, sind diese nur eingeschränkt nutzbar. Deshalb hat das IMPP in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) und dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) ein standortübergreifendes Studi-CIRS für Studierende und Auszubildende ins Leben gerufen, welches ab Juli zur Verfügung stehen wird. Über die sanktionsfreie und anonyme Fehlermeldeplattform können Hinweise auf Beinahefehler gegeben werden. Gemeldete Fälle werden durch eine Fachgruppe analysiert, bewertet und dem Meldenden zurückgespiegelt. Zudem erfolgt eine Weiterleitung der Fälle an Institutionen und Fachkommissionen, um aus sicherheitsrelevanten Ereignissen realitätsnahe Schulungs- oder Prüfungsinhalte erstellen zu können.

Die Chancen einer interprofessionellen Zusammenarbeit aufzeigen und die patientenorientierte Arbeitsweise in den Köpfen verankern

Mit dem Studi-CIRS und IMAGINE können wir einen Beitrag leisten, um die Vorgaben des Gesetzgebers für eine stärkere Patientenorientierung zu erfüllen, die Versorgungsqualität intersektoral zu optimieren und in der Folge die Patientenzufriedenheit zu verbessern. Das Konzept ermöglicht, den Studierenden und Auszubildenden aufzuzeigen, welche Chancen die interprofessionelle Zusammenarbeit für die tägliche Arbeit bieten kann und ihnen mehr Sicherheit beim Start ins Berufsleben zu geben. Die nachhaltig patientenorientierte Arbeitsweise könnte in die Ausbildung integriert und in den Köpfen der Ärzte von morgen verankert werden. Ziel ist, eine Versorgungsform zu etablieren, welche sowohl den Bedürfnissen von Patienten Rechnung trägt als auch den Arbeitsanforderungen an die zukünftigen Fachkräfte im Gesundheitswesen entgegenkommt und langfristig in die Regelversorgung übernommen werden kann.

Einen aktuellen, weiterführenden Artikel von Prof. Jünger zum Thema „Stärkung der Patientenorientierung und Patientensicherheit im Gesundheitswesen – von der kompetenzorientierten und interprofessionellen Ausbildung zur sektorenübergreifenden Versorgung“ finden Sie hier.

[1] https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/pdf-Ordner/International/Deklaration_von_Genf_DE_2017.pdf