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OptiMedium Juni 2019

Arzneimitteltherapie im Alter: FORTA-Algorithmus deckt Verbesserungspotenzial auf

Die Arzneimitteltherapie älterer Menschen ist eine Herausforderung, erst recht, wenn die Patienten multimorbide sind und zahlreiche Medikamente parallel einnehmen. Risiken wie schwere Neben- oder Wechselwirkungen müssen vermieden, gleichzeitig Chancen, wie zum Beispiel die Verhinderung von Schlaganfällen, genutzt werden. Hier hilft die unter Federführung von Professor Dr. Martin Wehling entwickelte FORTA-Klassifikation (Fit fOR The Aged), bei der Wirkstoffe in Verbindung mit altersrelevanten Indikationen hierarchisch von A (positiv) bis D (negativ) bewertet werden (A-bsolutely, B-eneficial, C-areful, D-on‘t).

Auswertungen zeigen: Ein Drittel zu viel, zwei Drittel zu wenig

Gemeinsam mit Wehling hat OptiMedis einen automatisierten Algorithmus entwickelt, der auf Basis der FORTA-Liste die Arzneimittelversorgung auf regionaler Ebene (und später auch auf Praxisebene) in Bezug auf Unter- und Überversorgung auswerten kann. Grundlage sind Versorgungsdaten, etwa aus den Praxisverwaltungssystemen oder GKV-Routinedaten. Das Ergebnis der Bewertung ist ein so genannter FORTA-Score.

FORTA KBV Poster neu 01Beispielhafte Auswertung der Versorgungssituation in einer Region – aufgeteilt in Indikationsbereiche. Grafik: OptiMedis

In mehreren Testregionen zeigte sich zum Beispiel, dass ein Drittel zu viel und zwei Drittel zu wenig Arzneimittel verordnet wurden, dort lag der Score bei den über 65-Jährigen bei 4,3.

Der FORTA-Algorithmus ist zum Beispiel nutzbar für Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenkassen, Ärztenetze oder in wissenschaftlichen Forschungsprojekten. So lässt sich feststellen, wie hoch der Grad der Unter- bzw. Überversorgung in dem jeweiligen Bereich ist, und es werden Potenziale aufgezeigt, wie die Arzneimitteltherapie qualitativ und ökonomisch verbessert werden kann.

Das Potenzial ist groß: Schätzungen zufolge sind etwa fünf Prozent der Krankenhausaufnahmen in Deutschland auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen[1]. Außerdem weisen etwa 1/3 aller im Krankenhaus aufgenommenen Patienten Nebenwirkungen in der Arzneimitteltherapie auf, die zu 71 Prozent als vermeidbar eingestuft werden[2].

Testregionen in Baden-Württemberg und Hamburg

OptiMedis testet die Optimierung der Arzneimitteltherapie-Sicherheit mittels FORTA in Arzneimittel-Konsilen unter pharmakologischer Leitung von Prof. Wehling zurzeit in den Gesundheitsnetzwerken Gesundes Kinzigtal und Gesundheit für Billstedt/Horn. Einen Zugang zu Versorgungsdaten vorausgesetzt, wären weitere, regionale Auswertungen durch den Algorithmus relativ einfach umsetzbar.

Diese Informationen finden Sie auch in unserem Handout – klicken Sie bitte hier zum Download.

 

[1] Thürmann, PA (2003): Detection of drug-related adverse events in hospitals. In: Expert Opin Drug Saf. 2(5)/2003, 447-449

[2] Klüchtzner, W/Grandt, D (2015): Influence of hospitalization on prescibing safety across the continuum of care: an exploratory study. In: BMC Health Serv. Res. 2015/15, S. 19