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OptiMedium Juni 2019

 Internationales

ACOs in den USA: Ein Systemwechsel hin zu value-orientierter Versorgung braucht klaren politischen Rahmen

Beitrag von Dr. Alexander Pimperl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der OptiMedis AG und ehemaliger Stipendiat des „Commonwealth Fund Harkness Fellowship in Health Care Policy and Practice“.

Aex pimperlDr. Alexander Pimperl hat in den USA zum Thema “Perfor-mance Management in Ac-countable Care Organizations in the U.S. and Germany” geforscht. Foto: OptiMedis AGDie Zahlen zu Accountable Care Organizations (ACOs) in den Vereinigten Staaten, die dem OptiMedis-Modell einer regionalen Integrierten Versorgung sehr ähnlich sind, sind in den vergangenen Jahren weiter deutlich angestiegen: In den ersten fünf Jahren seit ihrer Implementierung im Jahr 2010 durch den Affordable Care Act etablierten sich über 700 öffentliche und private ACOs[1]. Im ersten Quartal 2018 waren es bereits über 1.000. Damit waren in 2018 zehn Prozent der US-Bevölkerung durch ACOs versorgt.[2] Und auch die erzielten Einsparungen sind gestiegen: 2017 lagen die Nettoeinsparungen in den USA bei über 313 Millionen US-Dollar (etwa 35 US-Dollar pro Versicherten). Die Qualitätsleistung blieb dabei auf dem gleichen hohen Niveau.[3] Ausschlaggebend für das rasante Wachstum war noch unter Obama damals die Ankündigung des Centers for Medicare and Medicaid Services (CMS), dem staatlichen Kostenträger für die USA, bis zum Ende des Jahres 2016 wenigstens 30 Prozent der traditionellen Fee-for-Service-Vergütungen in Value-Based-Vergütungsmodelle – mit ACOs als einer Ausgestaltungsvariante – zu überführen. Bis zum Jahr 2018 sollte dieser Anteil auf mindestens 50 Prozent steigen und dies wurde auch erreicht.[4] Derzeit wird diese Entwicklung durch uneindeutige Signale der Trump-Regierung etwas gebremst. Aufgrund der politischen Unsicherheit befinden sich einige Akteure nun in einer Warteposition und das, obwohl die Leistungserbringer gerade begonnen hatten, die value-orientierten Vergütungsansätze als unvermeidbares Kernelement des Gesundheitssystems zu akzeptieren.

Politik muss konkrete Ziele setzen

Das Beispiel zeigt deutlich, wie wichtig klare politische Botschaften für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung zu einem value-orientierten Gesamtsystem sind – nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Darüber diskutierten die ehemaligen Stipendiaten des „Commonwealth Fund Harkness Fellowship in Health Care Policy and Practice“ bei ihrem jährlichen Treffen im Februar, das von der B. Braun-Stiftung in Berlin organisiert wurde, die mit Fortbildungsstipendien, Forschungsförderung und hochwertigen Programmen Menschen aus der Gesundheitswirtschaft fördert. Auch Deutschland braucht dringend einen klaren politischen Impuls, zum Beispiel durch konkrete Zielvorgaben zur Umsetzung populations- und outcome-orientierter Versorgungsmodelle, wie wir sie auch in unserem Ende 2018 veröffentlichten 5-Punkte-Sofortprogramm für den Gesetzgeber fordern. So sollten aus unserer Sicht bis 2025 mehr als zehn Prozent der gesamten Bevölkerung über populations- und outcome-orientierte Systeme versorgt werden, für 2030 streben wir über 25 Prozent an. Gleichzeitig müssten sowohl die Kostenträger als auch die Anbieter der Versorgungssysteme verpflichtet werden, ihre Outcomes zu veröffentlichen. Denn nur, wenn Transparenz zur neuen Norm wird und die gesundheitlichen Ergebnisse sich mit den gezahlten Beiträgen decken, können wir langfristig einen hohen Leistungsstandard in der Gesundheitsversorgung sichern. Wie Magnan und Kindig in ihrem Paper „Purchasing Population Health – Revisited“ (2019) betonen, ist diese Aussage heute so wahr wie bereits vor 20 Jahren.

Lesen Sie zu diesem Thema auch das Interview mit Dr. Alexander Pimperl in der Zeitschrift f&w: Outcome-orientierte Vergütung: „Wir brauchen eine gesetzliche Vorgabe“

 

[1] http://healthaffairs.org/blog/2015/03/31/growth-and-dispersion-of-accountable-care-organizations-in-2015-2/

[2] https://www.healthaffairs.org/do/10.1377/hblog20180810.481968/full/

[3] https://www.healthaffairs.org/do/10.1377/hblog20180918.957502/full/

[4] http://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMp1500445