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OptiMedium September 2020

 

Aus den Regionen

15 Jahre Gesundes Kinzigtal – die Erfolge sind messbar

2005 gründeten das „Medizinische Qualitätsnetz – Ärzteinitiative Kinzigtal“ und OptiMedis gemeinsam „Gesundes Kinzigtal“ – mit einer provisorischen Geschäftsstelle, viel Mut und Enthusiasmus. Heute ist das Gesundheitsnetzwerk in Baden-Württemberg weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, war zum Beispiel jüngst Thema in einer der renommiertesten englischsprachigen Fachzeitschriften „Health Affairs“ mit dem Titel “From rural Germany, Integrated Care grows into a global Model”.

Von Anfang an haben Wissenschaftler untersucht, welchen Einfluss die Art und Weise der Versorgung in „Gesundes Kinzigtal“ auf die Gesundheit der Menschen in der Region hat. So traten zum Beispiel weniger Brüche bei Versicherten mit Osteoporose auf als andernorts und ein großer Teil der Mitglieder gab an, seit Beginn ihrer Teilnahme an der Integrierten Versorgung gesünder zu leben[1].

Präventive und vernetzte Versorgung kann Leben verlängern

Ganz aktuelle Ergebnisse zeigen nun, dass Mitglieder von Gesundes Kinzigtal ein geringeres Risiko haben in einem bestimmten Zeitraum nach Beginn ihrer Teilnahme, zu versterben, als Versicherte, die nicht Mitglied im Gesundheitsnetzwerk sind. Zwischen 2006 und 2013 angemeldete Teilnehmer von Gesundes Kinzigtal wurden mit einer Kontrollgruppe von Patienten in der Region Kinzigtal, die nicht Mitglieder von Gesundes Kinzigtal waren und die aufgrund verschiedener demographischer und medizinischer Merkmale mittels „Propensity Score Matching“* für einen geeigneten Vergleich ausgewählt wurden, verglichen und über einen Zeitraum von sechs Jahren verfolgt. Die Daten von jemandem, der seit 2011 Mitglied bei Gesundes Kinzigtal ist, konnten also bis 2017 analysiert werden. 

Auswertung GKDie Auswertungen zeigen: Höhere Überlebenswahrscheinlichkeit bei Mitgliedern von Gesundes Kinzigtal im Vergleich mit einer Kontrollgruppe. Abbildung: OptiMedisEs zeigte sich, dass die Mortalitätsrate bei Mitgliedern von Gesundes Kinzigtal geringer war als bei der Kontrollgruppe (Überlebenswahrscheinlichkeit 94.1 % in der Interventionsgruppe vs. 92.9 % in der Kontrollgruppe, p<0.001). Insgesamt verstarben in den sechs Folgejahren nach Einschreibung 96 Versicherte weniger in der Untersuchungsgruppe als in der Kontrollgruppe. Auch bei Betrachtung einer modifizierten „Years of potential life lost (YPLL)-Kennzahl“, die nicht wie die originäre YPLL nur verlorene, sondern auch gewonnene Lebensjahre berücksichtigt, sind die Ergebnisse positiv: Insgesamt ergaben sich über den Betrachtungszeitraum hinweg um 1.269 weniger „verlorene Lebensjahre“ in der Untersuchungsgruppe. Auch bezüglich des Sterbealters profitiert die Gruppe der Eingeschriebenen. Diese versterben mit durchschnittlich 79,8 Jahren und damit im Durchschnitt 0,6 Jahre später als die Versicherten der Vergleichsgruppe (79,2 Jahre). Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die enge Zusammenarbeit der Behandelnden, die Aktivierung von Patienten und die gezielte Versorgung chronisch kranker Menschen einen positiven Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Innovative Strukturen sparen Kosten für die Gesellschaft

Auswertung GK KostenDie Grafik zeigt, wie sich die Kosten der Partnerkrankenkassen AOK und SVLFG sowie der Deckungsbeitrag entwickelt haben. Abbildung: OptiMedisAll die Maßnahmen von Gesundes Kinzigtal haben gleichzeitig einen positiven Effekt auf die Ausgaben der Krankenkassen. Denn wenn zum Beispiel unnötige Krankenhausaufenthalte verhindert oder Krankheiten hinausgezögert werden, spart das oft nicht nur viel Leid für den Patienten und seine Angehörigen, sondern auch Kosten, die letztendlich der gesamten Gesellschaft zugutekommen. So hat sich der Deckungsbeitrag der beteiligten Krankenkassen von 2007 bis 2018 um 53,1 Mio. € brutto verbessert. Im Jahr 2018 lag die Verbesserung bei 5,6 Mio. € brutto (siehe Abbildung 2). Verglichen werden dabei die Einnahmen der Krankenkassen, die jeweils die Durchschnittskosten für ihre Versicherten widerspiegeln, mit den tatsächlichen Ausgaben. Ist das Ergebnis im Vergleich mit der Entwicklung des Bundesdurchschnitts besser, hat die Krankenkasse relativ gesehen Kosten eingespart. Einen Teil dieser „Einsparungen“ erhält die Gesundes Kinzigtal GmbH, damit sie weiterhin in die Versorgung investieren und neue, z. B. auch digitale Innovationen ermöglichen kann.

Gesundes Kinzigtal-Geschäftsführer Dr. Christoph Löschmann ist es wichtig, das gute und stabile Netzwerk zu erweitern, sowohl durch weitere Krankenkassen wie aber auch durch eine stärkere Beteiligung der anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Gleichzeitig soll die digitale Infrastruktur weiter ausgebaut werden. Eines der wichtigsten Projekte ist daher die Vernetzungssoftware von Gesundes Kinzigtal: Diese bringt patientenbezogene Daten aus Praxen, Reha-Kliniken und Krankenhäusern auf einer Plattform zusammen. Über die Einbindung von leitlinienkonformen kurativen wie präventiven Behandlungsangeboten erhält der Behandler relevante Informationen als Entscheidungshilfe für die Planung der Therapie. Zudem unterstützt die Kinzigtal-Vernetzungssoftware durch die Digitalisierung der Mitgliederverwaltung und netzinterner Abrechnungsprozesse die Administration des Gesundheitsnetzwerks.

Mehr über die Arbeit im Kinzigtal lesen Sie im gerade erschienenen Jahresbericht 2019 der Gesundes Kinzigtal GmbH.


[1] Hildebrandt, H., Pimperl, A., Schulte, T., Hermann, C., Riedel, H., Schubert, I., Köster, I., Siegel, A. & Wetzel, M. (2015). Triple-Aim-Evaluation in der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal – Gesundheitszustand, Versorgungserleben und Wirtschaftlichkeit. Bundesgesundheitsblatt, 4-5/2015, 383-392. Link