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Der eigen-sinnige Mensch. Körper, Leib & Seele im Wandel

Prof. Gerd Glaeske, Universität Bremen, SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik rezensiert: Der eigen-sinnige Mensch. Körper, Leib & Seele im Wandel von Helmut Milz.

CoverEs ist ein erstaunliches Buch, das Helmut Milz, Facharzt für psychosomatische Medizin und Allgemeinmedizin, gerade unter dem Titel „Der eigen-Sinnige Mensch – Körper, Geist und Seele im Wandel“ publiziert hat. Es geht dabei um nicht weniger als die Beantwortung der Frage, wie sich Erleben und Verstehen des menschlichen Körpers während der letzten Jahrhunderte bis heute verändert haben, wie sich die sinnlichen Erfahrungen von Tasten, Berühren, Hören oder Schmecken, die unser Verhalten geprägt haben, mehr und mehr im Rahmen der neurobiologischen Forschung zu messbaren elektrischen Impulsen und oftmals zu Erklärungen jenseits aller Sinnlichkeit geführt haben – ein Mikrogramm mehr oder weniger von einer Transmittersubstanz wie Serotonin in unserem Gehirn will auf diese Weise eine Depression erklären und damit therapeutische Interventionen mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) erklären. Dabei wissen wir heute, dass bei depressiven Menschen noch nie ein Serotoninmangel nachgewiesen werden konnte, ein solcher Mangel darf in der Zwischenzeit als Märchen bezeichnet werden. So wichtig die Neurobiologie als wissenschaftliche Disziplin auch sein mag, so wichtig ist es gleichzeitig, die Sinne der Menschen nicht gering zu schätzen, sondern eine Verbindung zwischen gewachsenen Erfahrungen und aktuellen Erkenntnissen in der Medizin und ihrem Umgang mit Patientinnen und Patienten herzustellen – eben nicht nur das Gehirn als Mittelpunkt unseres Körpers zu betrachten, sondern ebenso das Herz, sowohl im organischen wie im sinnlichen Zusammenhang.

Die Kapitel, die Herr Milz in seinem 339-seitigen Buch aufgreift, haben mit unseren wichtigsten „eigenen Sinnen“ bzw. den Funktionsbereichen unseres Körpers zu tun. Es geht um das Berühren („Die Welt ertasten und empfinden), um das Schmecken, um das Riechen („Immer der Nase nach“), um das Hören und das Sehen. Die weiteren Kapitel handeln mit Herzen, vom Atmen, von unserem Nervengeflecht, vom Bauch und Baugefühl, von den Knochen („Dynamischer Halt und lebendiges Gewebe“), von der Muskelkraft und dem Muskelsinn („Bewegung und Gespür“) und schließlich vom inneren Fluss des Lebens („Was in uns fließt“). In jedem der etwa 20-30-seitigen Kapitel wird erläutert, was es mit den jeweiligen Sinnen auf sich hat, auch in einer kurzen historischen Betrachtung auf sich und wie sich diese ehemals z. T. archaischen Sinneserfahrungen hin zu unserer Zeit, auch im Blick der Wissenschaft, entwickelt haben: Im ersten Kapitel heißt dann z. B. eine Zwischenüberschrift: „Die Hand – empfangen, begreifen, handeln“, unterlegt mit dem Zitat des Physikers Isaac Newton, der meinte: „Mangels anderer Beweise würde mich der Daumen vom Dasein Gottes überzeugen“, weil der „Pinzettengriff“ (Daumen gegen die Kuppen anderer Finger) als ein besonderer Entwicklungssprung in der Menschwerdung gilt. Und es geht dann auch über ärztliche und therapeutische Berührungen hin zum Händedruck als Kommunikationsmittel – wie wissen alle, wie wir Menschen gerade durch den ersten Händedruck (lasch, fest, „Schraubstock“) auch mit unseren Sinnen einordnen.

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