Aktuelles - OptiMedis AG

Direkt zur Hauptnavigation Zum Inhalt wechseln

Dr. Albrecht Kloepfer: „Ambulante Kompetenzen und Potenziale bitte nicht vergessen“ – ein Diskussionsbeitrag

Albrecht KloepferDr. Albrecht Kloepfer vom Institut für Gesundheitssystem-Entwicklung. Foto: privatBei einigen jetzt veröffentlichten Positionspapieren wird zu sehr von einem Bereich (dem stationären) in den anderen (ambulanten) hineingedacht, meint Dr. Albrecht Kloepfer vom Institut für Gesundheitssystem-Entwicklung (iX).

Die Positionspapiere häufen sich, in denen eine grundsätzliche Neuordnung der Leistungserbringung im Gesundheitswesen an der Sektorengrenze zwischen ambulant und stationär gefordert wird. Tatsächlich steht dieser Punkt buchstäblich seit Jahrzehnten auf der politischen Agenda – durchschlagende Erfolge waren den bisherigen Modellen allerdings nicht beschieden, denn sie versuchten mit kleinteiligen Ausnahmeregelungen ein grundsätzliches Problem in den Griff zu bekommen. Entweder wettbewerblich durch Selektivverträge (vor allem §140a SGB V) oder durch eher exotische Versorgungsfelder auf der Grundlage von Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (§116b beispielsweise).

Die neuen Ansätze und Papiere versuchen eher, ambulant und stationär durch einen intermediären Bereich der gemeinsamen Leistungserbringung zu verbinden, der dann als Teil der Regelversorgung für alle Beteiligten (Leistungserbringer wie Kostenträger) Gültigkeit hat. Diese Idee ist grundsätzlich richtig und wurde auch an dieser Stelle – Stichwort „Hybridversorgung“ – schon häufiger in Ansätzen skizziert und zur weiteren Bearbeitung als Modell empfohlen. Allerdings fällt bei den jetzigen Papieren auf, dass sie zu weiten Teilen nur von einem Bereich (dem stationären) in den anderen (ambulanten) hineingedacht werden: In der Regel – so auch im Parteiprogramm der SPD – sollen nämlich die Krankenhäuser befähigt werden, auch ambulante Leistungen zu erbringen und über EBM abrechnen zu können. Kaum in Erwägung gezogen wird dagegen die Möglichkeit, dass verstärkt auch die Vertragsärzteschaft Modelle entwickeln könnte und sollte, entweder stationäre Leistungen zu ersetzen oder auch selbst stationäre Leistungen anzubieten. Solche Überlegungen scheinen bei den Autoren der aktuellen Positionspapiere kaum Resonanz zu finden.

Gemeinsame Organisationseinheiten von ambulant und stationär

Warum eigentlich nicht? Es ist nicht nur denkbar, sondern wird bereits praktiziert, dass große vertragsärztlich geführte Versorgungseinheiten in belegärztlicher Verantwortung ganze Krankenhausabteilungen übernehmen und medizinisch-wirtschaftlich leiten. Warum auch nicht? Aus dem Belegarztwesen ist schließlich die gesamte Genese der Krankenhäuser erwachsen, die ja zu Beginn ihrer Historie in der Regel rein pflegerische Einrichtungen gewesen sind. Dass eine große, unternehmerisch geführte vertragsärztliche Praxis mit ihrem Team also eine stationäre fachärztliche Krankenhausabteilung abdecken kann, sollte nicht verwundern – und wird, wie gesagt, auch schon praktiziert. Aber auch eine andere Möglichkeit ist denkbar: Warum sollte nicht ein potentes regionales Arztnetz in seinen Besitz ein Krankenhaus übernehmen und fachlich-wirtschaftlich führen? Oder warum gründen nicht Arztnetz und Krankenhaus eine gemeinsame Organisationseinheit (beispielsweise als GmbH) und teilen sich die ambulant-stationäre Versorgungsverantwortung? Auch hierfür gibt es bereits Beispiele. Es ist also schlicht töricht, die ambulanten Kompetenzen und Potentiale bei der Entwicklung intermediärer Versorgungsmodelle bzw. Hybridversorgungsansätzen einfach zu „vergessen“.

Eines ist dafür aber auch klar: Die Vertragsärzte müssen ihre Grundhaltung zur Investitionsfinanzierung und zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Einzelpraxis grundlegend überdenken. Denn die stationäre „Konkurrenz“ entwickelt ihre Modelle natürlich auf genau diesem grundsätzlich anderen Fundament. Erst also, wenn vertragsärztlich neu gedacht wird, kann auch mit Recht (und dann bitte vehement) eine auch vertragsärztlich geführte Neuorganisation der Leistungserbringung an der Sektorengrenze gefordert und in die Diskussion eingebracht werden. Es wird höchste Zeit, dass KVen und unternehmerisch denkende Vertragsärzte hier gemeinsam den Aufbruch organisieren – sonst ist es zu spät!

Der Text stammt aus den iX-Highlights vom 11. Oktober 2021 (www.ix-media.de).