OptiMedium 11/2010

Sehr geehrte Leser,

vielversprechende Versorgungsinnovationen scheitern oft von vornherein, weil einige Krankenkassen die Finanzierung scheuen. Zumindest ein Teil der Investitionen müsste von extern finanziert werden, um die Zeit zu überbrücken, bis sich die Systeme aus den erzielten Einsparungen rechnen. Hierfür haben wir eine Lösung gefunden. Lesen Sie mehr dazu unter Innovationsfonds: Finanzierung für vielversprechende Versorgungskonzepte.

Die Finanzierung und die Weiterentwicklung der Integrierten Versorgung waren auch Thema einer OptiMedis-Diskussionsrunde Ende November in der Nähe von Frankfurt. Mit dabei waren neben einigen Bundestagsabgeordneten unsere Aufsichtsräte und die Vorstände unserer Managementgesellschaften und kooperierenden Ärztenetze. Gemeinsam mit den Politikern diskutierten wir, wie sich eine ethische, qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung durch regionale Ärztenetze weiter voranbringen lässt – gerade in Regionen, in denen die Versorgung durch einen Ärztemangel gefährdet ist.

OptiMedis-Diskussionsrunde 

Die Finanzierung und die Weiterentwicklung der Integrierten Versorgung waren auch Thema einer OptiMedis-Diskussionsrunde Ende November in der Nähe von Frankfurt. Mit dabei waren neben einigen Bundestagsabgeordneten unsere Aufsichtsräte und die Vorstände unserer Managementgesellschaften und kooperierenden Ärztenetze. Gemeinsam mit den Politikern diskutierten wir, wie sich eine ethische, qualitativ hochwertige und wirtschaftliche Gesundheitsversorgung durch regionale Ärztenetze weiter voranbringen lässt – gerade in Regionen, in denen die Versorgung durch einen Ärztemangel gefährdet ist.

Im Gespräch (von links nach rechts):
Dr. Harald Terpe, Prof. Eberhard Wille,
Helmut Hildebrandt, Dr. Hans Jürgen Ahrens,
Dr. Monika Schliffke, Prof. Alf Trojan,
Dr. Andreas Schmid, Hildegard Hesselmann.

 

Lesen Sie außerdem in dieser Ausgabe: Warum finanzielle Anreize nicht ausreichen, um die Qualität der Gesundheitsversorgung tatsächlich signifikant zu steigern. Welche Erfahrungen die Pharmaindustrie in den USA als Vertragspartner für Managed Care gemacht hat. Und wie die AOK ihre Qualitätsindikatoren in Kooperation mit dem Gesunden Kinzigtal testen wird.

Viel Spaß beim Lesen und eine schöne Adventszeit wünscht Ihnen

Ihr Helmut Hildebrandt


Hersteller werden Vertragspartner für Integrierte Versorgung – negative Erfahrungen in den USA

Die künftige Beteiligung von Arzneimittelherstellern als direkte Vertragspartner bei der Integrierten Versorgung (IV), wie sie das Gesetz über die Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) vorsieht, ist umstritten. In den Anhörungen wurden von Krankenkassen Hoffnungen laut, die Industrie über diesen Weg zu Anschub-Investitionen in IV-Lösungen verleiten zu können. Die Opposition dagegen kritisierte, dass ein eingeschriebener Patient sich nicht sicher sein könne, weshalb ein Arzt ihm ein bestimmtes Medikament verordnet habe. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein verwies in diesem Zusammenhang in der Ärztezeitung (19.11.2010) insbesondere auf onkologische Medikamente. Sie hat die Sorge, „dass die medizinische Versorgung in Deutschland an die Pharmaindustrie abgetreten wird“.

Der Rechtsanwalt Dr. Ingo Pflugmacher wies in der Ärztezeitung (23.11.2011) auf das berufsrechtliche Verbot hin, für die Verordnung von Arzneimitteln eine Vergütung oder einen anderen Vorteil anzunehmen. Er warnte davor, dass Ärzte möglicherweise bereits gezahltes zusätzliches Honorar zurückzahlen müssten, wenn ein Vertrag gegen das Berufsrecht verstoße.

In den USA hat die Pharmaindustrie als direkte Partnerin in Managed Care-Systemen mehrheitlich negative Erfahrungen gemacht. Aus den anfänglich hochbepreisten Pharmaceutical Benefit Management-Organisationen zogen sich die Hersteller wieder zurück. Die zusätzlichen Umsatzerwartungen wurden nicht erfüllt. Ärzte, Öffentlichkeit und Presse sahen die Beteiligung der Unternehmen äußerst kritisch.

Dr. Hans-Nikolaus Schulze-Solce, Aufsichtsrat der OptiMedis AG, der viele Jahre in der Pharmaindustrie in Deutschland und den USA tätig war, kommentiert: „Arzneimittelentwicklung bzw. -vertrieb und Versorgungsmanagement sind völlig verschiedene Geschäftsbereiche, die jeweils ein sehr spezielles Know-How und unterschiedlichen Kapitalbedarf erfordern. Ein gutes Versorgungsmanagement muss sicherstellen, dass Auswahl und Einsatz von Arzneimitteln auf der Basis von wissenschaftlicher Evidenz, ärztlicher Erfahrung und Patientenpräferenzen erfolgt. Ein Hersteller als direkter Vertragspartner kann diese Anforderungen prinzipiell auch erfüllen, aber der Verdacht wird immer im Raum stehen, dass er das nicht tut.“


Studie: Pay for Performance steigert nicht automatisch die Qualität

Finanzielle Anreize für Qualitätsverbesserungen – wie beispielsweise Pay for Performance (P4P) – reichen offenbar nicht aus, um die Qualität der Gesundheitsversorgung tatsächlich signifikant zu steigern. In einigen Bereichen der Versorgung, die nicht über Kennzahlen in dem Pay for Performance-System berücksichtigt sind, gebe es sogar negative Auswirkungen, berichten Bruce Guthrie, University of Dundee, Schottland, Glenna Auerback und Andrew B. Bindman, beide University of California, San Francisco in Health Affairs, 29, no. 8 (2010): w1507-w1516.

Die Autoren untersuchten für ihre Studie die seit 2005 bestehenden indirekten Pay for Performance-Systeme von Medicaid in Kalifornien im Vergleich mit Systemen ohne finanzielle Anreize. P4P wird dort auf Krankenkassentarife bzw. Krankenkassen („health plans“) angewandt, die für Medicaid als Unterauftragnehmer tätig sind. Medicaid arbeitet mit so genannten „Auto-Assignment“-Anreizen, die Versicherte ohne spezifische Tarifwahl eher solchen Tarifen zuführen, die eine höhere Qualität gemessen an den Struktur-, Prozess- und Ergebnisindikatoren HEDIS des National Committee for Quality Assurance (NCQA) bieten. Versicherungen mit besseren Ergebnissen werden dadurch also belohnt, indem sie neue Versicherte gewinnen. Sie können die Ärzte dann wiederum finanziell an dem Erfolg beteiligen.

Guthrie, Auerback und Bindman führten zur Ergebnismessung qualitative Interviews mit Beteiligten durch und analysierten die Versorgungsqualität anhand eines standardisierten Katalogs der HEDIS-Indikatoren bei insgesamt über 3,4 Millionen Versicherten. Ihr Ergebnis: „We found that quality did not improve significantly faster in plans included in the incentive scheme.“

Die Untersuchung der P4P-Anreize auf Versicherungen bestätigte die tendenziell eher negativen Ergebnisse einer anderen Studie von Felt-Lisk, Gimm und Peterson in Health Affairs, 26, no. 4 (2007): w516-w527. Hier wurden fünf Krankenkassen darauf untersucht, ob direkte finanzielle Anreize an Ärzte und Ärztegruppen zu positiven Veränderungen der Qualität führten. Nur bei einer Kasse gab es eine starke Evidenz, bei vier Kassen gab es gar keine für eine solche Verbesserung. Die Beteiligung der Ärzte im Design und in der Implementierung der P4P-Anreize sowie die Art der Anreize wurden dort für die Unterschiede verantwortlich gemacht. Die Studien reihen sich ein in eine eher skeptische Diskussion von P4P-Anreizen, die sich in den USA in den letzten Jahren nach anfänglichem Enthusiasmus entwickelt hat.

Mit Blick auf diese Erfahrungen scheinen für eine Weiterentwicklung der finanziellen Anrreizsysteme in Deutschland insbesondere folgende Aspekte wichtig: Vermeidung von Zusatzaufwand für die Datenerfassung, gemeinsame Entwicklung der Systeme mit regionalen Ärztegruppen, outcome-bezogene Kennzahlen über mehrere Qualitätsdimensionen und Indikationen hinweg sowie intensive Beachtung möglicher negativer Nebeneffekte bei nicht systematisch erfassten Indikationen und Qualitätsdimensionen.


Innovationsfonds: Finanzierung für vielversprechende Versorgungskonzepte

Gute Versorgungskonzepte scheitern oft von vornherein an der fehlenden Finanzierung. Viele Krankenkassen scheuen sich, in Projekte zu investieren, die erst mittel- oder langfristig Ertrag bringen. Zumindest ein Teil der Investitionen müsste also extern vorfinanziert werden. Hierfür entwickeln wir zurzeit einen Innovationsfonds – die IV-Invest GmbH & Co KG. Er soll vielversprechende Versorgungsinnovationen finanzieren und so die Zeit überbrücken, bis sich die Systeme aus den erzielten Einsparungen rechnen. Die KG-Beteiligung soll im Private Placement, also im privaten Verkauf angeboten werden. Zielgruppe für den Fonds sind Einzelanleger aus der Ärzteschaft, Family Offices (Organisationsform zur Verwaltung privater Großvermögen) und institutionelle Fonds sowie Pharma-, Medizintechnik und Health Care-Industrie.

Wenn Sie mehr über unseren Innovationsfonds wissen möchten, vereinbaren wir gern einen Gesprächstermin. Wenden Sie sich bitte an (040/22621149-0, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).


AOK-Bundesverband kooperiert mit Gesundes Kinzigtal GmbH für einen Test von Qualitätsindikatoren

Der AOK-Bundesverband wird sein Qualitätsindikatoren-System für die ambulante Versorgung (QISA) einem Praxistest im Kinzigtal unterziehen. Im Fokus stehen dabei zunächst Indikatoren für Prävention und Krebs­früherkennung, die von den ärztlichen Leistungspartnern ausgewählt und dann in einem wissenschaft­lich begleiteten Projekt implementiert werden sollen. Die Hausärztliche Palliativversorgung soll aufgrund des zusätzlichen Dokumentationsaufwandes der Ärzte in einer späteren Phase des Projektes hinzugezogen werden. Im Moment wird die Datenerhebung für die notwendigen Parameter der genannten Indikatoren aus der IT-Vernetzung der Praxen (elektronische Gesundheitsakte sowie das so genannte IVIS-System zwischen Praxen und Geschäftsstelle) EDV-seitig auf die Vollständigkeit der verfügbaren Daten geprüft. Das Ziel: Qualitätsnachweise und Kennzahlenvergleiche testen und sie so unaufwändig wie möglich zum Nutzen der Versorgungsverbesserung gewinnen.

Mehr zu QISA lesen Sie unter www.aok-gesundheitspartner.de/bund/qisa/index.html. Dort können Sie auch die ersten QISA-Bände downloaden bzw. bestellen.


Gesundes Kinzigtal: Neue Programme zu Wund- und Depressionsmanagement

Die Gesundes Kinzigtal GmbH hat zwei neue Gesundheitsprogramme für ihre Patienten gestartet: „Gut verbunden – Wundnetz Kinzigtal“ und „Besser gestimmt – die Depression im Griff“. An dem Wundprogramm können Patienten mit Ulcus cruris venosum oder Dekubitus teilnehmen. Zwei Dermatologen haben sich zum fachärztlichen Wundmanager weiterqualifiziert und sichern zum einen eine schnelle Terminvergabe. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass die Patienten intensiv und leitliniengerecht betreut und Hausärzte und Pflegedienste entsprechend angeleitet werden. Die Wunden und deren Abheilungszeiten werden fotografisch dokumentiert. Ziele sind, Therapie- und Abheilungszeiten zu verkürzen, Rezidivraten zu reduzieren und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Eine Projektmanagerin von Gesundes Kinzigtal unterstützt die Ablaufprozesse.

Mit dem Depressionsprogramm sollen depressive Episoden schneller erkannt und die Patienten intensiver unterstützt werden. Diagnostische Fragebögen, feste Gesprächstermine und die dazugehörige Dokumentation, eine enge Begleitung durch geschulte Praxismitarbeiterinnen (im Sinne des chronic care-Modells) sowie soziale, sozialpsychiatrische, kulturelle und sportliche Angebote sind Bestandteile des Programms. Das primär hausärztlich aufgebaute Programm, das auch Psychotherapeuten und Psychiater integriert, baut auf der neuen S 3-Leitlinie Depression und Forschungsergebnissen von Professor Dr. Jochen Gensichen vom Universitätsklinikum Jena auf (PROMPT). Von ihm wird das Programm auch begleitet.

Beide Projekte ergänzen eine ganze Reihe von Gesundheitsprogrammen der Gesundes Kinzigtal GmbH. Mehr dazu lesen Sie unter www.gesundes-kinzigtal.de (Rubrik „Unsere Angebote“).


EKIV-Newsletter – jetzt auch auf Englisch

Sie interessieren sich für die Evaluationsergebnisse der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal? Vierteljährlich informiert Sie die Evaluationskoordinierungsstelle Integrierte Versorgung an der Abteilung für Medizinische Soziologie der Universität Freiburg in einem Newsletter über die aktuellen Projekte – seit kurzem auch auf Englisch. Abonnieren Sie den Newsletter unter www.ekiv.org. Im dortigen Archiv finden Sie alle bisher erschienenen Ausgaben. Die nächste Ausgabe erscheint in Kürze.


Termintipps

In den kommenden Monaten sind OptiMedis und ihre Managementgesellschaften und Partnernetze wieder bei einigen Kongressen aktiv – dies sind unter anderem:

10. Dezember 2010, Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion zur Integrierten Versorgung, Berlin
11. Januar 2011, Regionale Integrierte Vollversorgung – Konzepte und Erfahrungen, Fachhochschule Fulda
19. und 20. Januar 2011, Vernetzte Gesundheit, Kiel
19. und 20. Januar 2011, Fachsymposium Gesundheit St. Gallen
29. Januar 2011, 3. Netzwerkertreffen Süddeutschland, Stuttgart
31. Januar bis 1. Februar 2011, BMC-Kongress, Berlin
10. März 2011, 5. Nachsorgekongress der Arbeitsgemeinschaft Teilhabe, Berlin
16. bis 17. März 2011, Gesundheitsnetzwerker, Berlin
30. März bis 1. April, INIC11, Odense, Dänemark
31. März bis 1. April, Gesundheitspiazza, Bregenz
3.bis 5. Mai 2011, KBV Messe Versorgungsinnovation 2011, Berlin

Details zu den Vorträgen lesen Sie unter www.optimedis.de/termine.


Pressespiegel

Medienberichte und Veröffentlichungen der vergangenen Wochen:


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OptiMedis AG

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Britta Horwege

Britta Horwege
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