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OptiMedium Dezember 2014

Weltkongress zur Integrierten Versorgung: Lokal handeln – vorausdenkend planen – integriert finanzieren

Die „International Foundation for Integrated Care“ (IFIC) versammelte rund 450 Experten aus 30 Staaten zu ihrem zweiten Weltkongress zur Integrierten Versorgung im australischen Sydney vom 23. bis 25. November 2014. Zentrales Ergebnis der Tagung war die gemeinsame Erkenntnis, dass nur eine bessere Integration und Koordination auf der lokalen, klein- und mittelräumigen Ebene die zukünftigen Herausforderungen in der gesundheitlichen Versorgung und Prävention weltweit lösen können. Nationale Rahmenstrategien seien dazu notwendig, entscheidend sei aber die Möglichkeit, lokal Verantwortung zu übernehmen und mittels gezielter Prävention und Versorgungsoptimierung jeweils auf die regionale Situation zugeschnittene Lösungen zu entwickeln.

Interessant war, wie ähnlich die Erfahrungen in Ländern mit eher nationalen Gesundheitssystemen wie England, Australien oder Kanada und solchen mit gemischten Versicherungslösungen sind. In beiden Finanzierungssystemen wiesen die Lösungen mit einer möglichst umfassenden Integration der Finanzierungsströme bei Übernahme von Kostenverantwortung die besten Ergebnisse auf, wurde berichtet. Ein besonderes Highlight war das Beispiel des Nuka Care Systems in Anchorage, Alaska. Die gesamte Versorgung für ca. 70.000 Menschen wurde dort von der früheren staatlichen Administration auf die Trägerschaft und Selbstverwaltung des Stammes übertragen. Aus dem früheren, als paternalistisch empfundenen Angebot des staatlichen Gesundheitsdienstes entstand daraus ein selbstverwaltetes, die Versicherten als „Customer-Owner“ ansprechendes und auf Beteiligung und Shared Decision-Making abzielendes Modell. Ein multidisziplinäres Team sieht sich selbst als Unterstützer und Coach der “customer-owners” und integriert Bewegung, Beratung und modernste Versorgung genauso wie klassische spirituelle Methoden, soweit gewünscht. Im Ergebnis kommen sie auf durchschnittlich 50 Prozent der Gesamtkosten pro Kopf der Durchschnittsbevölkerung in den USA. Aktuell arbeitet das Nuka Care System daran, seine Leistungsfähigkeit schrittweise auch der allgemeinen Bevölkerung der Hauptstadt Alaskas anzubieten.

Beispiele der Versorgung von älteren Menschen aus Singapur, der Organisation der Ländlichen Versorgung in Australien und der Einbeziehung von seelischer Gesundheit bei Intermountain Healthcare, USA, lieferten intensive Einblicke in die Herausforderungen aber auch die Chancen von Veränderungen. Wie die IT-technische Unterstützung eine Integration befördern kann, wurde insbesondere von dem Canterbury Health System aus Neuseeland erörtert.

Helmut Hildebrandt IFICHelmut Hildebrandt berichtet über Gesundes Kinzigtal. Quelle: IFICHernan Montenegro, Gesundheitssystementwickler bei der Genfer Zentrale der Weltgesundheitsorganisation berichtete vorab über die Konzepte der „Strategy on People-Centered and Integrated Health Services (PCIHS)“, die seitens der WHO in 2015 lanciert werden sollen. In Kürze wird die europäische Sektion der WHO einen Bericht mit „models of good practice“ vorlegen, in dem auch Gesundes Kinzigtal vorgestellt wird. Letzteres wurde in Sydney von Helmut Hildebrandt ebenfalls präsentiert (siehe Bild), das Konzept sowie seine Umsetzung und seine Ergebnisse wurden als Referenzmodell ausgiebig diskutiert. Für den März 2015 wird eine Gruppe von zirka 20 neuseeländischen und australischen Vertretern aus Politik und Praxis ins Kinzigtal kommen, um die dortige Lösung intensiv auf ihre Übertragbarkeit nach „Downunder“ zu überprüfen. Die virtuelle Budgetlösung im Kinzigtal wurde dabei als sehr praktisch für die Überwindung der bisherigen Fragmentierung der Finanzierung in Australien angesehen. Die Bundesregierung (das „Commonwealth“) finanziert dort die ambulante ärztliche Versorgung, während die Landesregierungen für die stationäre Versorgung und die Beratungs- und Präventionsangebote vor Ort zuständig sind – beide Finanzierungstöpfe sind aber nicht miteinander verbunden und Sparanstrengungen in einem System gehen dann meist zu Lasten der Kostenträgerschaft auf der anderen Seite.
Weitere Informationen in Kürze unter http://www.integratedcarefoundation.org/conference/2_world.

Die International Foundation for Integrated Care (IFIC) ist ein not-for-profit network, das Praktiker, Wissenschaftler und Politiker/Administratoren unterschiedlichster Gesundheitssysteme und quer über die Grenzen der Disziplinen zusammen bringen will, um die Gesundheitsversorgung und die Öffentliche Gesundheit wieder besser zusammenzubringen und den medizinischen Fortschritt zu fördern. Weitere Infos über die Ziele der IFIC finden Sie hier, die linkedin-Gruppe der IFIC hinter diesem Link.

Die nächste Konferenz wird im März 2015 in Edinburgh, Schottland, stattfinden. Mitgliedschaften von deutschen Krankenkassen und Gesundheitseinrichtungen sind höchst willkommen.