Aktuelles - OptiMedis AG

Direkt zur Hauptnavigation Zum Inhalt wechseln

OptiMedium Dezember 2015

Gesundes Kinzigtal: Health Needs Assessment bei multimorbiden Patienten

Vor dem Hintergrund steigender Kosten und limitierter Ressourcen ist eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung von zunehmender Bedeutung – vor allem, wenn es um chronisch kranke und multimorbide Patienten geht. In der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal wurde deshalb der Versorgungsbedarf von Personen über 65 Jahre, die an mindestens drei chronischen Erkrankungen leiden, mit Hilfe eines Health Needs Assessments (HNA) ermittelt. Ziel ist es, bestehende Versorgungsstrukturen darauf aufbauend zu optimieren.

Das HNA ist für den Einsatz in populationsorientierten IV-Systemen wie Gesundes Kinzigtal besonders geeignet, da es die Gesundheitsprobleme regionaler Bevölkerungsgruppen umfassend identifiziert, die Bedarfe systematisch analysiert und bewertet, mit welchen Ressourcen die Gesundheit der Bevölkerung effektiv verbessert werden kann. Es bezieht dabei verschiedenste Aspekte mit ein, wie zum Beispiel die klinische und patientenseitige Perspektive sowie die Kosteneffektivität.

Health Needs AssessmentGrundlage für die Durchführung des HNA in Gesundes Kinzigtal waren die „Five steps of health assessment“ des National Institute for Health and Clinical Excellence (siehe Abbildung: Die fünf Schritte des Health Needs Assessment. Quelle: Surmund (2015), Darstellung in Anlehnung an S. Cavanagh & K. Chadwick, 2005, S. 21). Als relevantes Gesundheitsproblem wurde bereits im Vorwege die steigende Prävalenz chronischer Erkrankungen festgelegt. Der Fokus lag auf der Population von AOK- und LKK-Versicherten mit Wohnort in der Versorgungsregion Kinzigtal, die mindestens 65 Jahre alt sind und an mindestens drei chronischen Erkrankungen gleichzeitig leiden.

Die Analyse der Population erfolgte mittels einer deskriptiven, quantitativen Analyse von GKV- Routinedaten der eingeschriebenen Versicherten. Von der untersuchten Kohorte wurden 73,6 Prozent mit im Durchschnitt 8,8 chronischen Erkrankungen als multimorbid klassifiziert. Die prävalentesten Erkrankungen stellten Hypertonie (78,2 Prozent), Störungen des Lipoproteinstoffwechsels (49,3 Prozent) und Rückenschmerzen (34,4 Prozent) dar. Über ein Viertel (28,0 Prozent) der multimorbiden Patienten waren von einer Kombination aus Hypertonie, Rückenschmerzen und Arthrose betroffen. Insgesamt waren diese drei Erkrankungen zusammen mit der Lipoproteinstoffwechselstörung an fast allen der zehn prävalentesten untersuchten Dreierkombinationen aus chronischen Erkrankungen beteiligt. Die hohen Prävalenzen dieser Krankheiten sowie deren übermäßiges Auftreten in den untersuchten Kombinationen lassen auf einen hohen Versorgungsbedarf schließen. Hohe Arztkontaktquoten sowie Kosten, insbesondere im stationären Bereich, unterstreichen dies zusätzlich.

Möglichkeiten zur besseren Versorgung Multimorbider

Es zeigte sich, dass die derzeitigen Versorgungsstrukturen den komplexen Bedürfnissen Multimorbider aufgrund von Fragmentierung sowie der akutmedizinischen, auf einzelne Krankheiten fokussierten Ausrichtung nicht gerecht werden können. Disease oder Care Management-Programme wie zum Beispiel das Chronic Care-Modell könnten bei entsprechender Modifizierung im Rahmen einer gestärkten Primärversorgung oder in Medizinischen Versorgungszentren Ansätze zur Verbesserung bieten.

In der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal werden bei der Versorgung älterer multimorbider Risikopatienten bereits einige Elemente des Guided Care-Modells (GCM), einer Weiterentwicklung des CCM, angewandt. Das Modell zielt auf die Verbesserung der Lebensqualität Multimorbider sowie deren Unterstützung bei der effektiven Nutzung ihrer Ressourcen. Es beinhaltet Elemente des Case-, Disease- und Selbstmanagements und bietet Pflegeunterstützung, jeweils in enger Zusammenarbeit mit dem betreuenden Hausarzt des Patienten. Gute Erfolge zeigen sich im Rahmen von Gesundes Kinzigtal bei der Erweiterung des CCM-Ansatzes zu dem sogenannten Integrated Chronic Care-Modell (ICCM). Dieses Konzept bezieht neben den im CCM beziehungsweise Bellagio-Modell geschilderten Elementen auf einer zusätzlichen Ebene die Familie und den Haushalt des Patienten sowie Gleichbetroffene (engl. peers) mit ein.

Auch Disease Management-Programme (DMP) und Case sowie Care Management bieten innerhalb der Integrierten Versorgung bei entsprechender Modifizierung eine weitere gute Möglichkeit, Patienten mit den hier priorisierten Multimorbiditätsmustern zu versorgen.

Eine ausführliche Arbeit zu diesem Thema finden Sie hier.

Die Literaturliste schicken wir Ihnen auf Anfrage gern zu, bitte wenden Sie sich an Britta Horwege, OptiMedis AG, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.