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OptiMedium Dezember 2015

Internationales

Patientenbeteiligung im Gesundheitswesen: Was können wir aus dem Ausland lernen?

Das Thema Patientenbeteiligung im Gesundheitswesen nimmt international stark an Bedeutung zu und spielt auch in unseren Projekten eine große Rolle. Besonders bei der Patientenbeteiligung in der Forschung und bei der Verbesserung von Versorgungsabläufen gibt es in Deutschland Nachholbedarf. Im Ausland gibt es dagegen viele Beispiele, die den Nutzen sowie praktische Möglichkeiten der Patienteneinbindung beschreiben. Unterscheiden muss man dabei zwischen mehreren Ebenen der Beteiligung – die Interaktion Patient-Arzt (Mikroebene), Forschungsprozesse (Makroebene) sowie Versorgungsabläufe (Mesoebene).

Interaktion Patient-Arzt – die Mikroebene

Die Rolle von Patienten im Gesundheitssystem hat sich im letzten Jahrzehnt stark verändert. Patienten legen zunehmend die tradierten Rollenmuster ab und emanzipieren sich in Richtung eines autonomen Patienten. Dies wird einerseits flankiert durch die Einbindung in spezifische Entscheidungen zu therapeutischen Maßnahmen und andererseits durch allgemein verfügbare Informationen zu Gesundheit, Krankheit, Therapie und Qualität der Leistungserbringung. Viele Programme zur Einbindung und Stärkung des Patienten in Entscheidungsprozesse werden gegenwärtig implementiert und die Patientenbeteiligung wird – auch wenn in Deutschland noch Nachholbedarf besteht – auf dieser Ebene nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt.

Forschungsprozesse – die Makroebene

In den USA und auch in Großbritannien ist ein erweitertes Qualitätsverständnis, das neben den Dimensionen Sicherheit und klinische Effektivität auch die Dimension Patientenzentriertheit einschließt, institutionell – in Großbritannien sogar konstitutionell – verankert. Zum Beispiel ist die Einbindung von Patienten Voraussetzung in allen Forschungsphasen von durch das US Patient-Centred Outcomes Research Institut gesponserten Forschungsaufträgen. Auch in England erwartet das National Institute of Health Research, dass Patienten in Forschungsprojekte eingebunden sind; wo dies nicht der Fall ist, braucht es eine spezifische Begründung. Studien zeigen, dass solche Prozesse die Relevanz der Forschung verbessern und bei der logistischen Planung wichtige Beiträge leisten, etwa bei Strategien zur Verbesserung von Teilnahme und Rücklaufquoten.

Zwischen Mikro- und Makroebene: Patienteneinbindung in Versorgungsabläufe – die Mesoebene

Neben der Patientenbeteiligung in der Forschung und bei eigenen therapeutischen Zielen gibt es Nachholbedarf in Bezug auf die Beteiligung an Projekten zur Verbesserung der Versorgung, obwohl auch hier gute Beispiele vorliegen. Wenn Patientenzentriertheit als wesentliche Qualitätsdimension akzeptiert wird, gibt es eigentlich keine Argumente dagegen, Patienten oder deren Vertreter bei der Identifikation oder Umsetzung von Strategien zur Verbesserung der Versorgungsqualität zu involvieren. Zum Bespiel können Patienten bei der Entwicklung von Qualitätskriterien, bei der Planung von Versorgungsprozessen, bei der Projektmitarbeit, bei der Interpretation von Ergebnissen und in Komitees mitwirken. Krankenhäuser die weltweit für ihre patientenzentrierte Versorgung bekannt sind, wie das Griffin Hospital oder das Boston´s Childrens Hospital, binden Patienten bereits aktiv in solche Prozesse ein. Die Beispiele reichen von der Identifikation von Präferenzen zur Diabetesversorgung über die Entwicklung komplexer Behandlungspfade, bei denen Patienten mit Komorbiditäten wichtige Hinweise zur Gestaltung und Anwendbarkeit geben, bis hin zur Mitarbeit von Eltern bei Projekten zur besseren Versorgung juveniler idiopathischer Arthritis.

Solche Einbindungsprozesse lassen sich auch in Arztpraxen oder kleinen Gesundheitszentren (Medical Homes) umsetzen, wie Prof Eugen Nelson vom Darthmouth Institute, weltweit bekannt für seine wesentlichen Impulse zur Versorgungs- und Qualitätsforschung, bei einem Besuch im Kinzigtal eindrucksvoll darstellte. So berichtete er bei einer Klausur der dortigen Ärzte und Medizinischen Fachangestellten von den Erfahrungen mit der Beteiligung ausgewählter Patienten in so genannten „Quality Improvement Teams“.  Entgegen der anfänglich von den Praxen geäußerten Sorge, dass die Pateinten das nicht mitmachen würden, hätte sich in der konkreten Umsetzung herausgestellt, dass die Patienten dies sogar als hohe Wertschätzung verstanden und ausgesprochen wichtige Anregungen eingebracht hätten.  

Unsere Einschätzung: Die vielen guten Beispiele zur Patientenbeteiligung in der internationalen Literatur werden hoffentlich auch in Deutschland vermehrt Nachahmer finden. Mit dem schnell wachsenden Zugang zu Gesundheitsinformationen und der wachsenden Anzahl an (chronisch kranken) Patienten, die bereit sind konstruktiv bei der Verbesserung der Versorgung mitzuarbeiten, bestehen auf jeden Fall gute Voraussetzungen.

Weiterführende Literatur

Groene O, Sunol R. Patient involvement in quality management: rationale and current status. Journal of Health Organization and Management 2015; 29 (5): 556-69.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Dr. Oliver Gröne, Head of Research & Development OptiMedis AG, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.